© Marion Ritter - Alle Rechte vorbehalten    Datenschutzerklärung Leseprobe Auszug aus dem Kapitel "Wohnung! Wohnung?" · · · Auf ins nächste Abenteuer, dem Allein-Einkaufen in Ägypten. Ich hatte wieder einmal ein mulmiges Gefühl in der Magengegend und Herzklopfen. Doch es half nichts, ich musste los. Ich wollte es doch so, hatte mich doch ganz freiwillig dazu entschieden, hier zu leben. Also raus und kaufen. Ich lief nun das zweite Mal, diesmal ohne Abdelkader, meine laute, staubige Einkaufsstraße hinauf und suchte nach einem Geschäft, das den Eindruck machte, hier könne es Putzmittel geben. Das war schwierig. Ich sah alles irgendwie aus deutschem Blickwinkel. Da kann man dann hier aber lange suchen! Ich fasste Mut und ging einfach in irgendein willkürliches Geschäft, vor dem ich Waschmittel entdeckte. Konnte dann ja nicht ganz falsch sein. Ich schaute umher und entdeckte in einer dunklen Nische tatsächlich Scheuermilch, Gummihandschuhe und - keine Putzlappen. Na toll. Aber wenigstens hatte ich einen Teil der Dinge, durch die ich mir erhoffte, mich in der Wohnung endlich heimisch fühlen zu können. Ich klapperte noch einige ähnliche Geschäfte wegen des noch fehlenden Lappens ab - ohne Erfolg. In einem kam ein junger Ägypter freundlich auf mich zu und fragte, was ich denn suche. Auf Arabisch. Ich versuchte, ihm mit Händen und Füßen zu erklären, was ich brauchte. In meiner Verzweiflung zeigte ich auf die dort stehenden Besen und zupfte an seinem T-Shirt. Machte Gesten, die ihm zeigen sollten, dass ich einen Wischlappen bräuchte, zeigte auf meine Jeans, um zu sagen, ich brauche Stoff, eben einen Lappen. Aber er verstand mich nicht. Was heißt Wischlappen auf Arabisch? Keine Ahnung. · · · Auszug aus dem Kapitel "Amir" · · · Wir nahmen unseren Pizzakarton und gingen in Richtung Nil. Amir zeigte mir das Opernhaus, ein schönes, neues, beeindruckendes Gebäude. Von dort nicht weit entfernt, blieb er vor einer Brücke stehen. „Das ist die älteste Nilbrücke Kairos. Sie heißt heute El-Tahrir-Brücke — Brücke der Befreiung. Aber ihr ursprünglicher Name war Kubry Kasr-el-Nil. Das heißt Schloss- vom-Nil-Brücke. Schön, nicht? Sie wurde in den Jahren 1869 bis 1871 errichtet. Weißt du, was das Besondere an dieser Brücke ist?“ Ich verneinte. Amir begann zu grinsen. Wenigstens wirkte er jetzt nicht mehr so traurig. „Schau dir einmal die beiden Löwen links und rechts am Brückenende genau an. Fällt dir an ihnen nichts auf?“ Ich betrachtete diese herrlichen Meisterwerke der Bildhauerkunst. „Amir, sie sind perfekt, einfach schön. Ist es das, was mir auffallen soll?“ Amir grinste mich noch breiter an. „Die sind eben nicht perfekt!“ Erneut betrachtete ich die majestätischen Tiere ganz genau und konnte noch immer nicht den geringsten Fehler entdecken. Also erzählte Amir die Geschichte, wie die Löwen entstanden: „Der Sultan gab dem besten Bildhauer der Stadt den Auftrag, diese Löwen für die Brücke anzufertigen. Er wollte die schönsten und perfektesten Löwenstatuen, die es je gegeben hat. Deshalb sagte er zum Bildhauer: „Pass ja gut auf, dass du keinen Fehler machst. Sollte auch nur die kleinste Kleinigkeit an den Tieren nicht stimmen, werden sie dich fressen!“ Der Bildhauer nahm diese Drohung sehr ernst.“ „Ja, leuchtet mir ein, Amir, aber die sind doch absolut makellos. Er brauchte also keine Angst vor den Tieren zu haben.“ Ich schaute sie mir noch einmal sehr genau an und entdeckte nach wie vor keinen Fehler. Amir lachte jetzt und fuhr fort: „Doch, die haben einen riesigen Fehler!“ „Und der Bildhauer wurde nicht gefressen?“, fragte ich. Amir lachte noch mehr. „Nein, ging nicht. Der Bildhauer machte ihnen keine Zähne!“ Und tatsächlich, jetzt sah ich es. Die Gesichter der Löwen wirkten, als würden sie leicht grinsen. Dabei war nicht einmal die Andeutung eines einzigen Zahnes zu entdecken. Nun lachten wir beide. Was für eine nette Geschichte. · · · Zwischen Handy und Guavensaft Ein etwas anderer Erfahrungsbericht über Ägypten und seine Menschen